
La Ragazza Lunare - Die Mondfrau
von Alexandra Schulz
Eine Geschichte über eine große Liebe, das Erwachsenwerden und die Kraft der Vergebung.
Die Story:
"Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume". Dieser Spruch geht Michelle nicht mehr aus dem Kopf und genau das will sie jetzt auch tun. Der Hochzeitstermin steht fest, das Kleid passt perfekt, nur der Mann, der am Traualtar auf sie wartet, ist definitiv der Falsche.
Vor dem Hintergrund der wunderschönen italienischen Landschaft mit ihren Weinbergen und dem unverwechselbaren roten Licht eines Abends in der Toskana, beschreibt dieser spannende Roman mit einer gehörigen Portion Selbstironie, Witz und Charme die Freude und das Leid einer jungen Frau, die liebt, über sich selbst hinauswächst und erwachsen wird.
Die Mondfrau riskiert und verliert viel auf ihrer Reise und wir lachen und weinen mit ihr. Doch bei ihrem Kampf gegen die Einsamkeit in einem fremden Land und um den Mann, der untrennbar mit ihrem Schicksal verbunden ist, findet Michelle nicht nur ihre große Liebe, sondern schließlich auch sich selbst.


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Die Protagonisten des Romans stellen sich vor:
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Der Himmel in Olive
(eine kleine italienische Geschichte)
Angelara- ein kleines Dorf nicht weit von Neapel.
Meine Freundin hat mich eingeladen. Sie hat Heimweh.
Seit fünfzehn Jahren schon.
Kurz vor unserer Ankunft schießen wir mit einem Fiat durch Haarnadelkurven,
vor jeder wird gehupt, nach jeder wird Gas gegeben.
Schmale Balkone an schuppigen Häusern, ein blätterndes Marienbild über der Kapelle. Ich würde langsamer fahren, doch die Sonne lacht mich aus. Mich und meinen Rollkragenpulli. Alte Frauen sitzen auf Mauervorsprüngen und tragen Taschentücher auf ihren Köpfen. Meine Freundin lacht wie die Sonne. Sie ist glücklich.
In ihrer Wohnung lerne ich ihre Eltern kennen. Ihre Eltern, ihre Schwestern, eine Tante, einen Bruder und seine Kinder. Einen Nachbarn mit Pfeife.
Ich küsse fremde Wangen, fühle fremde Hände auf meinem Kopf,
dann wird mir ein Stuhl unter den Po geschoben.
Ein herber Roter wird ausgeschenkt – randvoll. Nach dem zweiten Glas schmeckt er besser.
Wir essen Büffelmozarella und Rapa, gegrilltes Kalbfleisch und Artischocken.
Die Brötchen sind so groß wie Kinderköpfe. Die Mutter reicht mir ein Glas. Sie macht ein Gesicht, als wäre der Inhalt giftig: “ pikant, pikant“. Die Soße treibt mir die Tränen in die Augen, Ich spüre meine Lippen nicht mehr, doch ich esse weiter und weiter…
Ich möchte das Dorf sehen.
Ich möchte Neapel sehen.
Ich möchte das Meer sehen,
doch wir kommen immer nur zehn Meter weit. Dann muss ich fremde Wangen küssen. „Io non parlo italiano“, ich kann nur diesen einen Satz, doch meine Freundin redet und redet. Es stört mich, in meiner typisch ungeduldigen Art. Erst später sehe ich die alten Olivenbäume um mich herum. Dreißig, vierzig Bäume. Ihre Stämme brauchen zwei Männern, um sie zu umfassen. Die Blätter schimmern silbern. Um den Stamm sind Netze ausgebreitet, die Erntezeit ist gerade vorbei. Ein schönes Bild. Soll sie doch reden. Tausend Jahre sind sie alt, sagt meine Freundin plötzlich. Wie konnte ich tausend Jahre nur übersehen?
Ich greife nach vergessenen Oliven auf dem Boden. Ein Gecko läuft über meine Hand. Ich erschrecke mich und wir lachen. Alle zusammen.
Ich gehe mit der Tante auf den Markt. Zu unserem Ausflug trägt sie Pantoffeln und ein breites Lachen. Das kenne ich schon. Sie lacht den ganzen Tag. Mit offenem Mund und ohne Schneidezahn.
Am Gemüsestand kaufe ich Fenchel. Keine Ahnung, was man damit machen kann, doch ich muss ihn kaufen, weil er so schön aussieht.
Ich esse Oliven bis mir schlecht wird.
Nicht olivgrüne Oliven,
keine kleinen Oliven,
Oliven so groß wie Pflaumen, grasgrün.
Ich zähle sie. Die, die ich kaufe und die, die ich esse. Ich muss sie zählen.
Vielleicht weil ich Oliven bis zu diesem Tag nicht mochte.
Nachmittags kommen wir nach Hause. Der Fernseher läuft.
Die Mutter weint, es sind die Nachrichten. Ein Kind wird vermisst.
Auch hier.
Ich habe einen weiteren Satz gelernt:
Sono sazia – ich bin satt.
Satt an Ricotta, satt an Involtini, satt an Angelara.
Wir fahren nach Hause - mein zu Hause.
Ich beneide meine Freundin. Um ihre Tränen, um ihr Heimweh, um ihre Olivenbäume.
In Deutschland erwarten uns geteerte Straßen. Ich habe meine Familie vermisst
und meine Freunde. Aber nicht die Bäume.
Als ich durch meine Fotos scrolle, sehe ich verbeulte Zitronen an dünnen Ästen. Ich sehe Kakteen, Magnolien, trockenes Gras und einen Olivenbaum
Wie weit ist er weg? Tausend Jahre, tausend Kilometer?
Ich habe Hunger
das erste Mal nach langer Zeit.