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Großstadtgefühle

Auf dieser Seite finden Sie Gedichte in der Form der Prosalyrik. Prosalyrik ist eine literarische Form, die Elemente von Prosa und Lyrik kombiniert. Dabei werden poetische Techniken wie Metaphern, Rhythmus und Bildsprache in einem prosaischen Kontext verwendet, um komplexe Emotionen und Ideen in einer weniger gebundenen Struktur auszudrücken,

Alte Stadtstraße

Altstadtfassade

Der Abend bastelt Scherenschnitte
von den Häusern meiner Stadt.
Auf planiermüden Wegen
verziehen Schatten mein Gesicht,
bald fällt die Nacht aus meinen Augen.
Viel zu kopfsteinlastig ist mein Weg,
unter jedem Pflaster eine Frage
und mit dem Licht, versinkt der Mut
in moosig weiche Ritzen.
Dann und wann sehe ich Armut
an der Wäscheleine tropfen.
Die alte Eiche grüßt am Marktplatz,
doch grüß ich nicht zurück.
’Was ist geschehen?’, frag ich.
Der Putz vom Niemandshaus,
er blättert wie das Haupt des Baumes.
’Es ist die Zeit’, verrät der Stein,
’sie packt uns zugig an den Brüchen
und lässt uns keinen Neubeginn.
Denk an den Traum in deiner Tasche,
er kann nicht mehr zurück
und wie das Geld in deiner Hand,
verliert er seinen Wert.’
Zehn Cent für einen Hut.
’Dein Geld ich brauch es nicht zum Leben’,
schreit mir der Penner hinterher
und Hände stehlen sich die Wärme eines Bechers.
Ich gehe zurück und schenk ihm meinen Traum.
In seinem Kaffee schwimmen die Scherenschnitte meiner Stadt.             

  Die Frau im Fenster

Ich irre durch die Straßen                    
denk mich frei

Die Hände taub gefühlt
an den Kanten dieser Stadt
Ein Auto hustet durch die Straße
Das Bild wird aus dem Augenblick gelöst
drängt sich durch Netz und Haut
wird ungefühlt verlebt

Dann diese Frau im Fenster
sie ist alt

Die Brüste schwer  wie zwei Melonen
abgelegt
die Ellenbogen auf dem Sims
so sitzt sie da
und schaut
und guckt

und schaut
wo’s was zu Schauen gibt

Ein Besen auf dem Bordstein seufzt

Sie atmet ein
sie atmet aus
Das Bild es bleibt bestehen
Ich denk’ sie jung
die Frau im Fenster
mit einem Mann
mit dem sie Walzer tanzen kann
und schaut
und guckt
und dreht
in einer Welt
in der sie selber lebt

Und nichts zerreißt die Straße

Der Besen ist nun still
Die Frau im Fenster
regt sich nicht                               

in ihren Falten ruht die Zeit                  
Sie schenkt sie mir
Aug um Aug
Blick um Blick
Und zwischen Staunen – Greifen - Weitergehen
vergrab ich dieses Bild in mir

dorthin
wo ich wirklich leb’

Amsterdam Gebäude

Großstadtgefühle

Kalt leckt die Nacht

mir durchs Gesicht

Laternenlicht rutscht blind

durch lange Haare

malt Leben

dicht gedrängt

auf rissige Fassaden

unsere Türe ist verschlossen

noch Stimmen eines Tages

unter meinem Mantel

 

würde beides gerne abstreifen

 

an dir

 

doch ich stehe hier

mit den Bäumen

falle mit dem Regen

zweifle in der Nacht

atemlos

& ich warte in der Gedrungenheit der Stadt,

warte vor gestapelten Häusern, deren Stöcke sie nicht stützen, nur in die Höhe treiben,

wo mein Blick an einem Baugerüst hangelt

und dass obwohl
oder gerade weil

ein Betreten verboten mich doch ausdrücklich warnt

vor meinen Eltern

& den Gefahren der Höhe, die mir zuzwinkert
so nett und lockend in mein grau gefärbtes Laut

alsdann ich flüchte unter diesen vermuteten Himmel

an Schäfchen denkend,

weiß der Teufel, woher sie die Zeit nehmen hier rumzuhängen,
& die Luft ist weiß, fast klar, so dass ich hoffe
& glaube, dass endlich Raum und Zeit genug
zum ersten tiefen Atemzug, grad jetzt wo doch mein Blick so voll von Wille ist, wäre da nicht
Geräusch und Schatten, die mich fallen lassen
gleich in den Bus, der fährt wohin

& fort von mir

Kölner Dom

Kölsche Melancholie

Meine Erinnerung sind Linien

endlose Parallelen - Kreuzungen

gefärbte Grünflächen

eine dickbäuchige Litfasssäule

drei Ampeln mit ewig langen

Rotkussphasen

 

Heute schneide ich deine Straße

aus meinem Stadtplan aus

das Rheinufer in der Altstadt

verschwindet - der Kölner Dom

fällt in meinen Schoss

meine Finger trennen Ring um Ring

Ich betrachte meine mondgesichtige Stadt

ziehe über ihre eingefallenen Wangen

vorsichtig tastend

nah an den Abgründen

unserer Wege entlang - jede Nacht

durch das Schnittmuster meiner Vergangenheit

das Neonlicht legt ein wenig Glanz

auf meine Lippen

in der Kneipe am Eck paart sich Vergessen mit einem Glas Kölsch

sie sammeln sich im Klüngel

die Verlorenen

manche werfen mit Blicken

ein Hungriger pfeift

getuschte Wimpern laufen

verlaufen

die Betonflut nimmt mir die Sicht

bricht mich hervor - gestrandet

auf irgendeiner Insel

als Fremde

bleibe ich in unserer Stadt

ohne Frage nach dem Weg

Paris

Pariser Augenblick

Draußen im Café der Rue Faubourg,

an einem Tisch, der niemals gerade steht.

In letzten Zügen hält sich der Abend im Schatten unterm Fenstersims versteckt, doch bald schon wird er fallen, in Grau auf kreideweißer Häuserwand.

 

'Le Monde', du hältst sie zitternd in der  Hand.

Sechs Uhr, längst Zeit für deinen 'petite rouge'.

`Der Mensch er lebt sich in den Untergang, mein Sohn`.

'La grande finale' - du liest es aus der Zeitung, ich aus dem Husten deiner rauchverzerrten Worte.

 

Noch groß dein Wille, der hinter dir den Bogen deines Rückgrats stützt.

Groß deine Geste und der Wurf hin zur Musik.

Nur die Zigarette macht sich glimmend klein, als wäre ihr zu kalt an deinen Lippen.

 

Sagte ich bereits, dass ich dich hasse?

Heute wäre ein guter Tag zur Wahrheit, die weißen Tauben blicken ehrlich, noch während sie aufs Denkmal scheißen.

 

Deine Haut, sie fällt so lose, wie ein Mantel, zerschlissen hier und da.

Sie scheint zu groß geworden für das Kind im Käfig eines Narren.

Überall sehe ich die Zeit um dich vergehen.

Sie tropft als Tee von deinem Löffel,

sie nistet sich in Augenbrauen, füllt Taschen unter Lidern.

 

„La vie est belle …“ spielt das Akkordeon.

Die Klänge längst vergangener Zeiten,

sie sammeln sich mit uns an diesem Platz.

Pariser Augenblick – draußen im Café der Rue Faubourg,

dort sitze ich und halte deine Hand..

Als die Worte schliefen

Als die Worte schliefen

versteckte sich der Mond hinter einem Blatt

war das Meer ein blauer Strich

passte die Welt in einen Briefschlitz

 

Als die Worte schliefen

störte kein Satz meinen Schlaf

ließ mich die Nacht allein

vergaß ich meinen Traum

 

Nichts was ich fühlte hatte einen Namen

außer die Leere in meiner Brust

 

Als die Worte schliefen betete ich zu Gott

um das, was ich vergaß

und in der Traurigkeit eines stillen Moments

erinnerte ich mich

dass ich auf Papier weinen kann

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